Piet Dickentman

Biographie

Piet Dickentman wurde am 04.01.1879 als Pieter Caspar Johan Dickentman in Amsterdam als Sohn des Zimmermanns Pieter Caspar Dickentman und dessen Frau Sophia Diederica, geb. Boekstal, geboren.

Nach der Schule erlernte er den Beruf des Maschinenbauers, doch schon 1894/95 wurde er vom Radsportfieber erfasst. Frühzeitig eroberte er sich ein Platz auf dem berühmten Mulder-Fünfsitzer. Zusammen mit Mulder, Slesker, van der Teugen und van den Berg eroberte er 1899 in Wien den Weltmeistertitel und ein Jahr darauf stellte die Mannschaft einen neuen Weltrekord über 500 m auf.     Auf Grund der zunehmenden Motorisierung verloren die Quintuplets an Zugkraft und so wandte sich P.D. den Steherrennen zu. Das Bereitstellen von 2 Motortandems (geführt von den Brüdern Lehmann aus Berlin) durch seinen Landsmann Lauffer ermöglichte ihm eine professionelle Vorbereitung auf die anstehenden Rennen.                                                                                                                      Nach guten Platzierungen bei kleineren Rennen (u.a. auf der Bahn im  Brandenburger Sport-Park) errang er im Oktober 1900 seinen ersten großen Erfolg; in Breslau wurde er Europameister über 100 km. Zudem nahm er an den Olympischen Spielen in Paris teil, wenn auch nur in einem Rahmenwettbewerb über 50 km, bei dem er hinter Th. Robl den zweiten Platz belegte.

1901 engagierte er Schmidt und de Regt als zusätzliche Schrittmacher. Mit dieser Mannschaft war er gut gewappnet für die kommenden Aufgaben.

Durch gute Leistungen (jeweils 2. Platz bei der EM und WM 1901, holländischer Meister) etablierte er sich in der Steherszene und wurde einer der schärfsten Kontrahenten des damaligen Spitzenfahrers Robl. Gemeinsam mit Robl trat er am 18.11.1902 von Neapel aus eine (Wettkampf)Reise nach Australien an. Trotz sportlicher Anerkennung verlief die Reise aus finanzieller Sicht nicht sehr erfolgreich.


Zurück in Europa verlief das Jahr 1903 sehr erfolgreich für ihn. Neben der erneuten holländischen Meisterschaft und Siegen u.a. beim Goldenen Motorrad von Berlin konnte er am 16.08. in Kopenhagen Weltmeister über 100 km werden. Im darauffolgenden Jahr wurde er zum dritten Mal Meister von Holland über 50 km und gewann etliche gut dotierte Rennen, so dass er 1904 insgesamt 27.925, Mark erringen konnte.

Im November 1906 schiffte er sich mit seinem Manager Hinz von Amsterdam aus nach Australien ein. Von dieser Erholungsreise, die ihn auch nach Japan brachte, kehrte er dann im Frühjahr 1907 zurück. Wenige Rennen konnte er 1907 als Sieger beenden, aber immerhin gelang ihm mit dem 2. Platz bei den Europameisterschaften ein Achtungserfolg. Im Herbst desselben Jahres erwarb er einen Kraftwagen, der vormals der Königin Wilhelmine von Holland gehörte.


Die neuseeländische Zeitung "Otago witness" vermeldete im Februar 1908 die erneute Ankunft von P.D. im Commonwealth zu einem mehrwöchigen Erholungsaufenthalt.                                                         Am 27.02.1908 heiratete er die Neuseeländerin Lilian Josephine Brasher in Melbourne (Australien). Entgegen bisher publizierter biographischer Beschreibungen ist aus dieser Ehe doch eine Tochter,             Edna Victoria, geboren 1909 in South Yarra in Australien, hervorgegangen.

Als sich sein langjähriger Kontrahent Th. Robl vom Radsport zurückzog und sich der Aviatik widmete, war Dickentman sehr froh dessen Schrittmacher übernehmen zu können. Nicht zuletzt deshalb konnte er die nächsten beiden Jahre erfolgreich auf den Bahnen in Europa bestreiten und gewann u.a. 1910 die "Oberweltmeisterschaft" in Steglitz. Für die Jahre 1912 bis 1915 ließ sich in den Berliner Adressbüchern eine (Zweit)Wohnung in Berlin-Wilmersdorf nachweisen, schließlich wurden viele Rennen auf den Bahnen in Treptow, Steglitz, Zehlendorf und Friedenau ausgetragen. 1913 nahm er seinen Abschied, nur um im darauffolgenden Jahr wieder auf die Rundenhatz zu gehen. Im April 1914 nahm er gemeinsam mit A. Stellbrink an einem Demonstrationswettbewerb auf Fahrrädern mit geschlossener Carosserie teil.                                                                                              

Nach erfolgloser Kontaktaufnahme zu seiner mittlerweile in Australien lebenden Ehefrau erfolgte am 11.07.1917 die Scheidung.

Weitere Veränderungen brachte das Jahr 1918; er eröffnete einen Fahrradhandel und am 14.03. heiratete er die in Leipzig geborene Agnes Minna Zöphel. Aus dieser Ehe gingen 4 Kinder hervor, 3 Mädchen und ein Junge.

Eine seltene Filmaufnahme ist einem traurigen Anlass geschuldet - am 24.08.1922 nahm P.D. an der Beerdigung des holländischen Schrittmachers Christiaans Orlemans teil, der am 20. August 1922 auf der Amsterdamer Bahn tödlich verunglückt war (www.geschiedenis.vpro.nl).

In den Folgejahren bestritt er noch erfolgreich diverse holländische Meisterschaften, ehe er endgültig,   fast fünfzigjährig, mit dem aktiven Radsport aufhörte. Sein letztes Rennen bestritt er am 28. Oktober 1928 in Stettin und nicht wie häufig publiziert beim Eröffnungsrennen der Amsterdamer Olympiabahn am 06. September 1928!

Er eröffnete in der Amsterdamer Scheldestraat erneut einen Fahrradladen, welcher dann später von seinem Sohn fortgeführt wurde.

Piet Dickentman verstarb am 07.10.1950 in Amsterdam.